Peter Fischli and David Weiss: «Eine Ansammlung von Gegenständen», Sprüth Magers, Berlin
Archeological & Archival

«Die Tiefe muß man verstecken. Wo? An der Oberfläche»

Ausgraben, Ansammeln und Archivieren als künstlerische Praktiken

Künstlerische Kreativität und Schöpfungswille als alleiniger Ursprung eines Werkes und Anstoß zur materiellen Manifestation einer Idee, die vorher nur immateriell in der Gedanken­welt eines Menschen existierte – und am besten noch durch den sinnlichen und körper­lichen Kuss einer Muse zum Leben erweckt wurde – diese Art und Weise, Neues in die Welt zu bringen, scheint für viele nur noch als idealisierte Wunschvorstellung in den Köpfen einiger nostalgischer Träumer zu existieren.

Spätestens seit Marcel Duchamp mit der simplen – und wie manche behaupten darüber hinaus surrealen – Geste, ein seriell hergestelltes und für die vertikale Aufhängung be­stimmtes Industrieprodukt in die Horizontale umzulegen, zu betiteln und zu signieren, um so neue Bedeutungsebenen zu schaffen, darauf verzichtet hat materiell Neues zu pro­duzieren, kommt dem Künstler eine andere Rolle als bis dahin allgemein üblich zu: Er scheint sich in derartigen künstlerischen Praktiken von der Rolle des Schöpfers von materiellen Artefakten zu lösen und eher in die eines intellektuellen Urhebers zu wechseln, der u.a. mit parawissenschaftlichen Methoden die materielle Welt erkundet. [2] Dies kann wie im oben genannten Beispiel durch das Auslesen von Zeichen und eine semantische Neudeutung zur Aufdeckung der Arbitrarität des Forschungsgegenstandes geschehen, der im Fall von Duchamps Fountain eigentlich zum absaugen von Abwasser produziert wurde und nun potentiell durch Ausspucken von Flüssigkeiten zur Quelle wird, oder wie bei den 3 stoppages étalon, bei denen ein vom Künstler gesetzter Versuchsaufbau durch eine serielle, empirisch arbeitende Forschungsarbeit unterschiedliche visuelle Ergebnisse auswirft, die dann zum eigentlichen Werk weiter verarbeitet werden können.[3]

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