«Performance, Baby!» | Foto: Norbert Bayer
Performative

… oder performst du schon?

Ansprüche und Zwänge zeitgenössischer Performance

«Zeig uns, dass du es kannst!» – so lautet eine der immer wiederkehrenden affirmativen Aufforderungen Heidi Klums an ihre «Mädels», wie sie Teilnehmerinnen der von ihr moderierten Castingshow Germany’s Next Topmodel nennt. Deren mittlerweile achte Staffel konnte 2014 eine weitere Siegerin dem Firmenkonglomerat Klums zuführen, um diese zu vermarkten, wie es in der Managementsprache genannt wird, wenn mit Menschen und deren Images Geld verdient wird.[1]

In diesem und anderem ähnlichen, mechanisch wiederholtem Wortgeklingel Klums treten einige der grundlegenden Eigenschaften und Mechanismen zeitgenössischer per­formativer Kultur deutlich zu Tage: Das «Können», das «Zeigen» und als Folge davon das «Verkaufen». Nun könnte man einwenden, dass die Teilnehmerinnen von Germany’s Next Topmodel durchschnittliche Mädchen seien, die auf der Straße oder in offenen Bewerbungs­verfahren ausgewählt werden, und keine Darstellerinnen und deshalb die Parameter einer Performance im eigentlichen Sinne gar nicht angelegt werden könnten, weil sie demnach lediglich sie selbst seien und gar keine Rolle spielten. Dies ist jedoch mitnichten der Fall und erscheint gelinde gesagt sogar leicht naiv. Denn erstens erfolgt die Auswahl der Mädchen wie bei einer Inszenierung nach einem Rollenschema, bei dem darauf geachtet wird, dass verschiedene Charaktere wie «die Sportliche», «die Zickige», «die Unkomplizierte» jeweils ausgewogen besetzt sind. Darüber hinaus empfiehlt Heidi Klum in ihrem Buch Heidi Klum – Natürlich erfolgreich, das im Original den prägnanten Titel Body of Knowledge trägt, auch dezidiert: «Tu so, als ob, und man wird dir glauben» und weiter: «Was heißt «es rüberbringen»? Für mich bedeutet es, die Person zu spielen [im Orginal kursiv, Anm. des Verfassers], für die ich gehalten werden will. Klingt das unaufrichtig? Das ist es meines Erachtens nicht.»[2] Und an anderer Stelle: «Betrachte es vielmehr als ein Rollenspiel».[3] Der Kundenwunsch ist oberstes Gebot und ständig abrufbare Präsenz in der Rolle erste Modelpflicht.

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