Jens Lekman | Foto: Ellika Henrikson
Linguistic, Sound & Vision

Don’t call it a comeback!

Der Junge mit Liedern so sanft wie Gänseblümchen unter dem Arm: Jens Lekman

Jens Lekman – er war bei mir fast schon aus dem Gedächtnis verschwunden und unter «Smells like 30-something-spirit» abgelegt – hat soeben sein neues Album «Life Will See You Now» veröffentlicht. Der scheinbar alterslose Schwede aus Göteborg, der zwischenzeitlich nach Australien ausgewandert war, beschenkte uns in den späten Nuller-Jahren mit zarten Songs – v.a. seinem Album «Night Falls Over Kortedala» –, bei denen es sich besonders lohnte, auf die Texte zu hören und mit denen er die Ohren fest versiegelte und die Herzen öffnete.

Diesmal hat er sich nicht auf seine Qualitäten als Sänger zu minimalistischen Gitarrensound beschränkt, sondern seine Songs mit elektronischen Sounds unterlegt. Kommt beim ersten Hören erstmal neu und vielleicht auch ein bisschen befremdlich vor, aber es klingt wunderbar – warum auch nicht? Oder anders gefragt: Warum eigentlich nicht schon viel früher? Und so aufdringlich elektronisch ist es sowieso nicht durchweg produziert; es startet knallig und rollt sanft aus. Allzuviel hat sich also zum Glück nicht verändert – manchmal sind Konstanten doch beruhigend. Besonders schön: Die Saxophone in «How We Met, The Long Version». Yeah! «Wedding in Finistere» erinnert an den Sound von Paul Simons’ «Graceland». Bingo!

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The Pirouttes, Paris, Pop, Chanson, Elektropop
Sound & Vision

On revient toujours à ses premières amours

The Pirouettes aus Paris sind das neue Traumpaar und Power Couple des französischen Pop-Chansons.

In Zeiten wie unseren, in denen Beziehungen immer brüchiger werden und keine Verbindung länger hält als ein paar Saisons – also wenn Raf Simons nicht mehr für Dior arbeiten will und Alber Elbaz plötzlich Lanvan verlässt – und du am liebsten in deiner Matratzengruft versinken und dich deinen Depressionen hingeben möchtest, bleibt dir immerhin noch diese eine Gewissheit: Ce n’est pas la mer à boire, denn der nächste große Coup des französichen Pops wird ganz bestimmt kommen und dich von deiner Traurigkeit befreien. Und tatsächlich kündigt er sich bereits wie ein erlösender Sonnenaufgang nach einer tiefen, dunklen Nacht an und personalisiert sich im Duo The Pirouettes aus Paris, France.

The Pirouettes sind Vickie Chérie und Leo Bear Creek, die sich in der Schule in Annecy kennen gelernt haben und beide angetreten sind, das neue Power Couple des französischen Elektropops zu werden. Ob sie in naher Zukunft in die sehr großen Fussstapfen von Elli & Jacno und von Catherine Ringer und Frédéric Chichin treten und die Geschichte der erfolgreichen Musikerpaare der Independentszene in Frankreich weiter schreiben werden? Im Song Dernier Métro nehmen sie jedenfalls mit einem Soundschnipsel aus Marcia Balla von Les Rita Mitsouko direkt Bezug auf diesen Teil der Vergangenheit. Darüber hinaus erinnert dessen Sound mit seinen hämmernden Keyboard-Klängen an den Synthie-Knaller Partenaire Particulier, womit als musikalische Referenzen eindeutig die ganz großen Klassiker der französischen Popszene der 80er Jahre indentifiziert wären, in die sich The Pirouettes vielleicht in naher Zukunft einreihen werden. Für die rechtsrheinischen frankophilen und frankophonen Hörer dürfte der Song Robocop wie ein Souvenir vom Album Musique Automatique von Stereo Total klingen oder mit seinen zeitweise rumpelnden Beats auch an Mein kleines Pony von Frederik Schikowski erinnern.

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