Feige Fig Fresh Fruit | Foto: Clemens v. Vogelsang/Flickr – CC BY 2.0
Visual & Iconic

Ich wünsche dir, wahnsinnig geliebt zu werden

Liebeserklärung an die Feige

Ich weiß gar nicht, warum es dermaßen lange dauerte, bis du mir untergekommen bist und meine Hoffnung auf Abwechslung erfüllt wurde. Nicht, dass mein Leben ohne dich etwa sinn­los oder gar leer gewesen wäre – das sicher nicht – aber eben doch nicht so süß und ballaststoffreich wie mit dir. Unser erstes Treffen hatten wir im Hochsommer, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich hatte im Restaurant ganz unbefangen und noch unwissend dessen, was mich erwarten würde, einen Salat bestellt. Und dann lagst du äußerst lässig mit dem anderen Gemüse auf dem Teller und bist einfach mal eben in mein Leben geknallt.

Dein eigentliches Temperament hingegen, das sich in deinem milden Aroma offenbart, ist vollkommen weichherzig. Du bist zwar nicht feige, aber etwas schüchtern, deshalb lagst du wohl etwas abseits und wurdest verdeckt vom vielen Dunkelgrün. Schwarz-blau schimmerte deine zarte Haut durch die Blättchen des temperamentvollen Ruccola. Du ließest mich gewähren, ohne mir eine Ohrfeige zu verpassen und hast mir auch nicht deine berüchtigte Mano in Fica gezeigt. Ich konnte also mit meinem scharfen Messer ohne Umschweife deine pralle Haut aufschlitzen, um an dein äußerst leckeres Fleisch zu kommen und dich ohne Gewissensbisse komplett auszukratzen. Ja, so war das eben damals bei unserem ersten Treffen, eine veritable amour fou.

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