Archeological & Archival, Spacial

«Ein jeder will leben» | Documenta Diary #1

Amalia Vekri: «Fix Greek Summer 1 & 2», 2017 bei «DaDa Da Academy presents present». Die ehemalige Fix-Brauerei wurde zum Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst (EMST) umgebaut.

Amalia Vekri: «Fix Greek Summer 1 & 2», 2017 bei «DaDa Da Academy presents present». Die ehemalige Fix-Brauerei wurde zum Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst (EMST) umgebaut.

Auf dem Weg zum Flughafen hebe ich Geld ab. Die Bank ist voller Ost-Rentner, die am ersten Tag des Monats die Bank stürmen. Ein erster Athen-Moment? Das erste Mal höre ich bewusst Griechisch im Flieger, als eine Ansage Rubbellose zum wohltätigen Zweck für die Kinderstiftung von Ryanair anpreist. «Become Millionaire and support Children!». Niemand kauft eines der Lose auf der 1806 Kilometer langen Flugstrecke. «Ein jeder will leben» lautet eine gängige Redensart in Griechenland.

Plakatwand in Athen mit dem Plakat der documenta 14

Plakatwand in Athen mit dem Plakat der documenta 14

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Whit Stillman, Metropolitan, Westerly Films, New York, 1990
Sound & Vision, Visual & Iconic

Aus einer Zeit vor der Uber-App oder: Wie ein geteiltes Taxi überraschend eine aufkeimende Liebe ermöglicht hat

Whit Stillmans Erstlingsfilm «Metropolitan» von 1990

Mit der Uber-App wäre das alles bestimmt so nicht passiert: Denn dann wäre klar gewesen, für wen das Taxi bestimmt ist und Tom Townsed hätte nicht nach einem New Yorker Debütantinnenball in der Weihnachtssaison vom überzuvorkommenden Nick Smith angeboten bekommen, sich gemeinsam eines der raren Taxis zu teilen. Darüber hinaus wäre er nicht überzeugt worden, überstürzt mit zu einer privaten After-Party zu kommen und so zur Sally Fowler Rat Pack zu stoßen, einer Clique von rich Kids der Upper East Side. Ganz unbekannt ist Tom den jungen Damen dort nicht, denn sie kennen ihn über Serena, eine Ex-Freundin von ihm, die ihnen seine Briefe in der Schule vorlas und die auch über den ganzen Film hinweg für weitere Verwirrungen sorgt. Dass Tom von den gesellschaftlichen Standards her nicht in diese Clique passt, wird spätestens dann klar, als die Party vorüber ist und den anderen in der kalten Winternacht auffällt, dass Tom keinen adäquaten Überzieher hat. Tom verweigert aber diesmal ein geteiltes Taxi und nun wird ihnen vollends klar: «A West-Sider is amongst us.» Dort lebt er mit seiner Mutter, einer Autorin, die ihn am nächsten Tag darüber aufklärt, dass er die Ausleihzeit für den Smoking überziehen wird. Da es in der Sally Fowler Rat Pack einen Überhang an Frauen gibt, muss Tom – nun ja überraschenderweise weiterhin richtig ausstaffiert – auch nicht mehr lange überredet werden, einen weiteren Abend mit der Gruppe unterwegs zu sein. Tom, der sich als Sozialisten bezeichnet und überzeugter Anhänger des französischen Fourierismus aus dem 19. Jahrhundert ist und von daher diese Art Bälle und Festivitäten eigentlich ablehnt, wird aber von Nick eines besseren belehrt: Nämlich, dass es keine billigere Möglichkeit gibt, in New York am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, da man nur ein Outfit brauche, das es auch gebraucht zu erwerben gibt, und alles andere überdies gratis sei. Und überhaupt: Tom würde übersehen, dass die Damen auf ihn zählten, er somit auch unabhängig und nicht mehr lediglich die Begleitung einer der Damen wäre.

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