Archeological & Archival, Photography, Visual & Iconic

My view on art & culture in February 2017 in my private pictures & meandering words

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Hanne Lippard's exhibition «Flesh» at KW Berlin

Hanne Lippard’s exhibition «Flesh» at KW Berlin

Finally I made it into the exhibition of Norwegian artist Hanne Lippard at KW Berlin called «Flesh», which was run over at the opening weekend and which is set in an attic style space reachable though a spiral staircase located in the center hall. In this environment paved with flesh-coloured carpet banal phrases and self help techniques are bent together by Hanne Lippard to form an acoustic artwork which fills the empty environment with an extra low ceiling in which it is set. Putting words, homonyms and homophones on top of each other she piles up a wall of sound to break through for the visitor. We become the listener to a surrealistic piece which preaches peace and peaks in appeasement, while we stare out of the windows to gaze over the roofs into the lives of the others. «If not now then when?» •


«alien matter», an exhibition as part of the 30th Transmediale-Festival in Berlin – here I am inside the artwork «Video Palace #44 – The Hidden Universe, 2017» by Joep van Liefland | Photo: Unknown helping hand @ HKW – Thank you! ❤

«alien matter», an exhibition as part of the 30th Transmediale-Festival in Berlin – here I am inside the artwork «Video Palace #44 – The Hidden Universe, 2017» by Joep van Liefland | Photo: Unknown helping hand @ HKW – Thank you! ❤

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Heike-Melba Fendel: «Zehn Tage im Februar», Blumenbar Verlag
Linguistic

Beim nächsten Mal wird alles anders

Heike-Melba Fendel lässt die Protagonistin ihres Romans «Zehn Tage im Februar» in die Welt des Films abgleiten und über die Liebe schwadronieren. Was für ein Irrweg!

Eine Frau, eine Straße, ein Leben, eine Welt. Diese Zutaten können ausreichen für einen Roman, auch für einen Liebesroman. Heike-Melba Fendel wandelt diese Komponenten ab in: Eine Filmjournalistin, der Stadtteil Tempelhof in Berlin, eine erschlaffte Beziehung, die Welt der Filme und der Filmindustrie. Dies reicht für ihren Roman «Zehn Tage im Februar», der gerade im Blumenbar Verlag erschienen ist. Irgendwie halbwegs zumindest.

Besagte Frau wird von ihrem Mann, der das ganze Buch über lediglich «der Mann» bleibt, verlassen. Um genau zu sein: Vorübergehend für angekündigte zehn Tage verlassen, denn er möchte für diesen Zeitraum ausziehen, weil die Frau Filmjournalistin und während der Berlinale so gut wie nie zuhause, sondern dienstlich unterwegs ist. Das stört den Mann und er quartiert sich während dieser Zeit aus und ermöglicht der Frau ihre Freiräume. Eigentlich zuvorkommend von ihm und praktisch für sie, sollte man meinen. Aber weit gefehlt.

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Archeological & Archival, Photography, Visual & Iconic

My view on art & culture in Januar 2017 through my private pictures

Galerie

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Julia Zange | Foto: Christian Werner/Aufbau Verlag
Linguistic, Performative

Ganz. Dicht. Dran.

Julia Zanges Roman «Realitäts­gewitter», Instagram und das bisschen Welt dazwischen

Bei der Lesung von Julia Zange aus ihrem Buch «Realitäts­gewitter» in der Buchhandlung im Aufbauhaus machte ich ein Foto von ihr am Pult mit der seitlichen Aufschrift «Kleines Format – große Geschichten» und stellte es gleich danach auf Instagram. Am nächsten Tag wurde mein Foto vom Aufbau Verlag, bei dem das Buch ein paar Tage zuvor erschienen war, gerepostet und man sieht jetzt deshalb auf seinem Account mein kleines Portrait links unten ins Foto einmontiert. Am selben Abend übernahm Julia Zange den Instagram-Account des ZEITmagazins, mit dem sie mein Photo von ihr likete und ich daraufhin ebenso ihr Selfie. Mit dem Slogan «Wenig Sex, viel iPhone» wird das Leben der Protagonistin des Romans in der Ankündigung prägnant zusammengefasst – warum sollte man darüber in einem Buch lesen?

«Realitätsgewitter» ist das zweite Werk der jungen Autorin, das der Verlag mit der ambi­valenten Empfehlung Maxim Billers anpreist: «Das kann nur Julia Zange: Alle zehn Jahre ein Buch schreiben, das man nicht mehr ver­gisst!» Das soll wohl bedeuten, dass das Buch gut ist, und nicht etwa, dass jede*r andere 150 fast schon in Groß­druck gesetzte Seiten innerhalb kürzerer Zeit vorlegen könnte oder man das Buch aus ärger­lichen Gründen nicht mehr vergisst. Dass es vom ersten zum zweiten Buch so lange dauerte, liegt vermutlich auch daran, dass Julia Zange eine vielbeschäftigte Frau ist: Wer mit Büchern nichts am Hut hat, hat sie vielleicht bereits als Schau­spielerin gesehen, z.B. in den Video­arbeiten von Britta Thie. Oder kennt sie aus dem Tatort, wo sie Anfang November die kindliche Mörderin spielen durfte. Bald ist sie in einem Film von Philip Gröning zu sehen. Nebenbei arbeitet sie als Redak­t­eurin bei L’Officiel und schreibt darüber hinaus noch für andere Magazine. Also alles kein Wunder.

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Stierblut im Prenzlauer Berg Berlin | Illustration: Norbert Bayer
Archeological & Archival

DDR, aber Fete: Mit Mode­mädchen und Party­prominenz durch Ost-Berlin

Jutta Voigt schreibt in ihrem Buch «Stierblutjahre» die Geschichte der DDR-Boheme und nimmt uns mit in Bars und Cafés, die mittlerweile Vergangenheit sind. In ihren aufgezeichneten Erinnerungen bleiben der Zeitgeist und der Esprit ihres Milieus packend frisch und temperamentvoll lebendig. 

Beim Blick zurück auf die Zeit der Teilung hat Ost-Berlin in den geläufigen Darstellungen meistens einfach nur trist zu sein. Bunt allerhöchstens in ausgewählten DDR-Farben. Geschichten über diese Zeit sind so genannte «Ossi»-Komödien à la «Good-bye Lenin» oder mit Pathos behaftet wie «Das Leben der anderen» – dazwischen noch ein bisschen «Weissensee».

Mit diesen Klischees räumt Jutta Voigt in ihrem neuen Buch «Stierblutjahre – Die Boheme des Ostens», das soeben im Aufbau Verlag erschienen ist, auf. Sie blickt darin zurück auf die Künstler- und Bohemeszene Ost-Berlins, in der sie sich selber bewegte. Das Szeneleben in der DDR war ganz bestimmt nicht monoton und fad, wenn man ihrem Buch Glauben schenkt. Besonders dann nicht, wenn internationale Stars wie Françoise Sagan vorbei kamen, um «Bonjour» zu sagen. Ihr Buch enthält persönliche Erinnerungen an die Partykultur in den Klubs und Bars der Hauptstadt der DDR und inszeniert deren Lokalitäten als Bühne für ihre Protagonisten: die In-Crowd und das Partyvolk des Nachtlebens. «Stierblut» war der in der DDR am weitesten verbreitete Rotwein, der aus Ungarn stammte, womit bereits ein wesentlicher Kitt dieser Szene benannt ist, der sie zusammen hielt: Der Alkohol.

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Schorsch Kamerun | Foto: Christoph Voy/Ullstein Buchverlage
Linguistic, Performative, Sound & Vision

Schenkt dir das Leben Zitronen – dann mach «Anarckeey» daraus!

Schorsch Kamerun, das Hamburger Allround-Talent zwischen Musik und Theater und außerdem Mitbegründer des Golden Pudel Clubs, legt nun sein Buch Die Jugend ist die schönste Zeit des Lebens vor.

Vom unscharfen Coverfoto seines Buchs Die Jugend ist die schönste Zeit des Leben grüsst uns Schorsch Kamerun mit dem Kopf nach unten hängend; seine Augen und sein Mund sind beide in die aufrechte Richtung darauf kollagiert. Sein Mund liegt somit über seinen Augen: Will er damit ausdrücken, dass bei ihm die Botschaft über dem Bild und der Geist über dem Image steht? Zumindest purzeln bereits hier die individuellen Elemente im Gesichtsfeld durcheinander und Zusammenhänge werden in Frage gestellt.

Er trägt einen Strickpullover mit klassisches Argyle-Muster: Ein leicht abgewetzter Look aus zweiter Hand zwischen bieder und preppy, der mit seinen bunten Rauten auf Weiß auch einen Hauch von Arlecchino-Figur der Commedia dell’Arte in sich trägt. Wie ein Harlekin schlüpft Kamerun gerne in verschiedene Rollen – die des Biedermanns gehört erfreulicherweise definitiv nicht dazu. Lieber möchten Schorsch Kamerun und auch sein biographisch inspiriertes Alter Ego Tommi from Germany wie Trickster-Figuren die künstlerischen und politischen Bedingungen durcheinanderwirbeln: Mal ist er als Musiker, z.B. mit seiner Band Die Goldenen Zitronen, dann als Clubbetreiber oder Theatermacher unterwegs und nun eben als Autor.

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Ronja von Rönne | Foto: Carolin Saage
Linguistic

So kommen wir zu nichts, oder?

Ronja von Rönnes Roman Wir kommen serviert Selbstzerfleischung und Selbstmitleid. Mit einem Schuss Entertainment.

Ein 40-something interessiert sich gerne wieder für junge literarische Stimmen, vielleicht weil er in komplett naiver Erwartung hofft, dass das Leben oder die Figuren im Roman einer Autorin in ihren Zwanzigern frischer und kraftvoller als er selber sein könnten und ihr Buch deshalb erheiternd und energetisch auf sein aktuelles Lebensgefühl  – kurz vor der Midlife-Crisis – wirken müsste.

Eine zu eben jener Gemütslage und Hoffnung passende Jungautorin ist Ronja von Rönne, die 2015 durch einen Beitrag über den Feminismus in den Fokus rückte und kurz danach bereits zur Teilnahme am Lese-Wettbewerb in Klagenfurt eingeladen wurde. Soeben hat sie ihren ersten Roman Wir kommen veröffentlicht, der im Aufbau Verlag erschienen ist.

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Miranda July | Foto: Joshua Barash/WehoCity
Linguistic, Performative, Sound & Vision

«You think you have deserved the pain – but you don’t.»

Miranda July erzählt in ihrem Roman Der erste fiese Typ von Gewalt in Beziehungen und Wegen der Befreiung – dabei greift sie auf ihre Erfahrungen aus der Performance-Kunst zurück. 

Der Globus Hystericus – vulgo: der Kloß im Hals – ist ziemlich genau das was einen befällt, wenn man vor Miranda July steht, um ein Buch signieren zu lassen, oder auch dann, wenn man versucht, einen Text über sie und ihr neues Buch The First Bad Man (in der deutschen Ausgabe Der erste fiese Typ) zu schreiben. Wo soll man nur anfangen – was wurde nicht schon alles geschrieben?

Die Multi-Genre Künstlerin Miranda July aus L.A., die zunächst als Performance-Künstlerin startete und 2005 mit dem Film Me and you and everyone we know die Caméra d’Or beim Film Festival in Cannes gewann, wurde einem breiteren Publikum mit ihrer Kurzgeschichtensammlung No One Belongs Here More Than You bekannt, die in deutsch 2008 unter dem nietzscheanischen Titel Zehn Wahrheiten erschien. Anfang 2015 veröffentlichte sie dann – nach einem weiteren Film, der auf einem vorhergehenden Buch beruhte, und diversen visuellen und textbasierten Kunstwerken, u.a. mit einer Beteiligung an der Biennale in Venedig 2011 – ihren ersten Roman Der erste fiese Typ, den sie nun in Deutschland und der Schweiz auf Lesereise präsentierte.

Aber worum geht es nun in ihrem neuesten Buch? Es geht zum einen um eben jenen Globus Hystericus, unter dem die Protagonistin Cheryll krankhaft leidet und der sie dazu verleitet, eine mysteriöse Farbtherapie zu beginnen, und der somit einen der Handlungsstränge ins Rollen bringt. Zum anderen geht es um die Erfahrung persönlicher Erniedrigungen innerhalb von Beziehungen, wie die Protagonistin sie erlebt und wie sie durch deren Überwindung sie zu neuer Vitalität und eigenständigem Handeln findet. Ja, das ist streckenweiße äußerst anstrengend zu lesen und dennoch nimmt einen Julys pointierte Sprache und die überzeugende Modellierung ihrer Charaktere gefangen.

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Ingeborg Bachmann Wettbewerb, Nora Gomringer, Klagenfurt, Bamberg, Bamberger Reiter, Bamberg, UNESCO
Linguistic, Performative

Kein Bedauern in Bamberg

Nora Gomringer gewinnt in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis.

Wenn sich die CSU durchgesetzt hätte, dann käme die diesjährige Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises aus der deutschen Hauptstadt. Oder besser gesagt: aus der ehemaligen deutschen Hauptstadt. Hat die CSU damals nach dem Krieg aber nicht und so wurde Bonn die Hauptstadt Westdeutschlands und leider nicht Bamberg. Die Urkunde hängt nun trotzdem dort. Noch ein Glas Champagner nach der Preisverleihung? Leider nein – der «Germanisten-Porno», wie Nora Gomringer den Wettbewerb nennt, ist nun erstmal vorbei für sie. Sie hatte einfach keine Lust auf Feiern und so reiste das «Team Gomringer», bestehend aus ihren beiden Verlegern, ihrer Assistentin, ihrer Mutter und ihrem Freund, gleich nach der Preisverleihung aus Klagenfurt ab und kam um halb fünf Uhr morgens in Oberfranken an.

Auf den ersten Blick scheint die Urkunde leicht zerknittert, aber bei genauerem Hinsehen – wenn sich der Blick endlich von dem überproportionalen Siegelring, der an einem italophil-trikolore-farbenen Bändchen prangt und in vertikaler Hängung vermutlich die Urkunde schön nach unten zieht und in Stücke reißt – entpuppen sich die schattierten Linien dann leider doch als simpler Designunfall. Aber zumindest zeigt uns dieses Bild: Nora Gomringer ist zurück in der Stadt, in der sie das Stipendiatenhaus Villa Concordia leitet. Eigenbewerbung für ein Stipendium dort möglich? «Leider n e i n», denn das Kuratorium will die Künstler laut Website mit der Vergabe für erfolgreiches Schaffen auszeichnen. Zumindest das hat diese Einrichtung mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis gemeinsam, bei dem die den Preis vergebenden Kritiker die vorlesenden Autoren einladen und Nora Gomringer in einem Live-Wettbewerb, wie es auch die Poetry-Slams sind, aus deren Szene sie kommt, gegen die anderen gewann.

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