Ausblick vor dem Palais Bellevue in Kassel auf die Karlsaue | © Norbert Bayer
Sound & Vision, Spacial, Visual & Iconic

Balken im Auge

Die Ausstellung «Concepts of Visual Poetry Confronting Real Times» in Kassel portraitiert eine Generation von chinesischen Künstlern und Künstlerinnen aus Hangzhou, die eindringlich von Krisen und Konflikten erzählen und nicht nur mittels ihrer universellen Poesie ausdrucksstark von ihrer Zeitgenossenschaft zeugen.

Xu Jiang 许江: «Depths Of Winter 冬 远», Tuschezeichnung, 16-teilige Serie, jeweils 58 x 78cm, 2005 | © Xu Jiang 许江

Xu Jiang 许江: «Depths Of Winter 冬 远», Tuschezeichnung, 16-teilige Serie, jeweils 58 x 78cm, 2005 | © Xu Jiang 许江

Unter dem zunächst spröde anmutenden Ausstellungstitel «Concepts of Visual Poetry Confronting Real Times» versammelte die Kunsthistorikerin und Kuratorin Ursula Panhans-Bühler im Kasseler Palais Bellevue, das auf einer Anhöhe am Rande der Karlsaue liegt, Werke von 17 Künstlerinnen und Künstler der China Academy of Art in Hangzhou (中国美术学院) inklusive deren Präsidenten. Ganz dem Motto der Hochschule verpflichtet, das «Sich tatkräftig zusammentun; das Bestehende erforschen, um Neues zu schaffen» (團結 奮進 求實 創新) lautet, wurden für diese Ausstellung, die das komplette Haus über drei Stockwerke einnimmt, Positionen und Techniken ausgewählt, die zum einen fast ausschließlich experimentelle Videoarbeiten sein wollen und sich zum anderen auf eines der ältesten und am verbreitetsten Genres der Kunstproduktion überhaupt beziehen – die Darstellung von Landschaft.

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Freee: «Protest is Beautiful», 2007/2013, postcard | Foto: Ben Fitton, Courtesy: Freee
Spacial

Neue Zonen und weiche Zäune

Vom Gezi-Park zu Beuys’ Eichen

Ein Mann schreit in das Mikro eines Megaphons, dessen Lautsprecher er sich an sein rechtes Ohr hält, als ob er seiner eigenen Artikulationsfähigkeit gegenüber Zweifel hegte und sich nur noch über die körperliche Erfahrung von Schallwellen den noch verbliebenen Resten seiner eigenen Mitteilungsfähigkeit vergewissern könne. Als hätte man ihm den nötigen Resonanzraum genommen, der nötig ist, um aus Lauten Sprache werden zu lassen, bleibt ihm daher nur die von der Öffentlichkeit unbemerkt bleibende autoaggressive Handlung. Es handelt sich hierbei um eine Fotografie vom kurdischen Künstler, Autor und PEN-Club Mitglied Şener Özmen, der das oben beschriebene Selbstportrait aus dem Jahre 2005 in der Gruppenausstellung Agoraphobia im Kunstraum Tanas in Berlin zeigte.[1]

Die Kuratorin Fulya Erdemci hatte diese Ausstellung als Prolog der 13. Ausgabe der Istanbul Biennale vorangestellt, für die sie ebenfalls verantwortlich zeichnete. Diese fand unter dem Titel Mum, am I a Barbarian? vom 14. September bis 10. November 2013 statt. Fulya Erdemci ist Kuratorin und Autorin und lebt in Istanbul und Amsterdam; von 1994 bis 2000 war sie Direktorin der Istanbul Biennale und leitete von 2008 bis 2012 die Stiftung SKOR in Amsterdam, die Kunstwerke für den öffentlichen Raum begutachtet und entwickelt. Mit den beiden Ausstellungskonzepten aus dem Jahre 2013 hinterfragte sie Konflikt­potentiale von aktuellen Stadt­entwicklungen, die sich in sozialen Bewegungen widerspiegeln, rückte den öffentlichen städtischen Raum als Grundlage für demo­kratische Meinungs­bildung und freie Meinungsäußerung in das Zentrum ihres kuratorischen Interesses.

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