Evripidis Sabatis of «Evripidis and His Tragedies» | Foto: Daniel Riera
Interview, Linguistic, Performative, Sound & Vision

«Through pain I learned to be more empathic with other people, I learned to forgive, I learned to let go, I learned to heal myself.»

Singer-songwriter Evripidis Sabatis of «Evripidis and His Tragedies» from Barcelona, who has just released his third album «Futile Games In Space And Time» speaks about teenage dramas, queer love, his roots and his ambitions and explains what he likes and dislikes about Berlin.

Norbert Bayer: Hello Evripidis! Are you ready?

Evripidis Sabatis: Yes, I am.

Where are you right now?

At home, in the district of Poble Nou in Barcelona. I have many plants, drawings and books around me. Outside the window there is a patio full of plants, some of them quite huge.

Are you home a lot or always on the run between different places?

I used to be on the run for years, never resting, but now I am well installed in Barcelona, finally at a place I can call home. So nowadays I like spending a lot of time indoors.

Which means that you’re more up to futile games in time now than in spaces?

I believe that right now I might be playing a game that is not futile, at least not as futile as other ones I have been engaged to… ’Cause at the end of the day we all going to perish, right?

That’s right.

My point of view in things remains the same anyway – everything is futile and every experience is necessary and valuable.

But nevertheless in the song «15 Again» from your new album «Futile Games In Space And Time» you refer to the dream of wanting to be a teenager again. Did you have a happy time as teenager?

As a teenager I had a mixed time: Sometimes I felt utterly miserable and alienated and ugly, sometimes it was pure fun. The song is not about wanting to be a teenager again, it is about feeling things in the intense, hormone-fueled way that teenagers do, with all the buzzing and the drama.

Do you think that works the same way for gay people? Or are you idealizing here? GLBTI-teenagers are still more suicidal than others, for example.

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Stella Geppert: «Arbusti - Moving Studies & Homeopathic Interventions», Full HD, Loop 10 min, Venedig, 2014 / 2015
Interview, Performative, Sound & Vision, Spacial

«Für mich haben Gespräche architektonische Formen.»

Die Künstlerin Stella Geppert entwickelt in ihren Arbeiten raumbezogene und performative Konzepte und Installationen.
Mit Norbert Bayer sprach sie über ihre neuesten Arbeiten, demokratisches Handeln und ihre Träume. 

Stella Geppert zieht sich zu Beginn des Gesprächs den Kapuzenpullover über. Beim Überziehen des Pullovers rutscht ihr die Sonnenbrille, die sie in den Haaren trug, auf die Nase.

Stella Geppert: (lacht) Wie Sie sehen, kann ich mit dem Anziehen eines Kapuzenpullovers gleichzeitig meine Sonnenbrille auf die Nase stülpen.

Norbert Bayer: Sehr gut! Könnte das bereits eine Ihrer Performances sein?

Das ist für mich zunächst einmal eine Inspiration, aus der eine Intervention hervorgehen könnte.

Und was macht für Sie eine Intervention aus? Worin unterscheidet sie sich von der Performance oder dem Happening?

Also mit Happenings – ich bin zwar happy – aber mit Happenings hab ich nicht so viel am Hut. Für eine ortsspezifische Arbeit bedarf es eines langen Recherchevorlaufs. Gute Interventionen von mir sind hingegen aus dem Zufall heraus entstandene Situationen. Meine Objekte sind immer aus Situationen und Handlungen heraus entstanden, denn es gibt für mich keinen Gestaltungsprozess, der losgelöst wäre von alltäglichen Handlungen.

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Stereo Total aus Berlin sind Brezel Göring und Françoise Cactus
Interview, Performative, Sound & Vision

«Ich schreibe meine Lieder nie nach Botschaften – ich schreibe meine Lieder nach Ideen!»

Françoise Cactus und Brezel Göring von Stereo Total im Interview über ihr neues Album Les Hormones, Rebellion, Schönheitsprobleme und Zufälle beim Kennenlernen.

Norbert Bayer: Liebe Françoise, lieber Brezel, zählt ihr eure Alben eigentlich noch oder habt ihr schon damit aufgehört?

Françoise Cactus: Es hängt davon ab, wie man das zählt. Also ist das jetzt das 10. oder das 12. offizielle Ding?

Brezel Göring: Also ich glaube, offiziell das zwölfte, aber inoffiziell wahrscheinlich schon 20. oder 26.

Euer neues Album heißt ja Les Hormones. Wo ist denn die Miss Rébellion des Hormones vom Album Paris Berlin geblieben – habt ihr sie rausgeschmissen?

FC: Ah ja, stimmt, Les Hormones ist immer ein Lieblingsthema von mir gewesen, schon damals. Hier kannst du Les Hormones sehen. (Sie zeigt eine Postkarte mit dem Cover von ihrem Hörspiel Autobigophonie.) Das sind die Jungs aus meinem Dorf, das waren meine Kumpels, als ich Teenager war und wir haben auch Musik zusammen gehört und dann hat jemand gesagt: «Oh, wir machen eine Band, wir machen eine Band!»

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Absolut Art Apartment Berlin | Foto: Sebastian Reuter/Getty Images for Absolut Art
Interview, Spacial, Visual & Iconic

«I think the art market is fantastic.»

Nahema Mehta, CEO of Absolut Art, talks about Berlin, the art market – and shares some tips on how to start collecting art.

Norbert Bayer: Dear Nahema Mehta, how did you choose the artists for this exhibition of the Berlin edition of Absolut Art?
Nahema Mehta: In every city we go into we partner with local curators on the ground and work with them collaboratively to choose the artists that we think represent the city. In Berlin we partnerned with Francesca Gavin and Nadim Samman here.
What was different in Berlin than in other cities?
I love Berlin – there is an incredible balance between historical relevance and unconventional thinking – you can see that tension in all of these works. That for me is spectacular, and unique to Berlin – it’s what’s made Berlin not only an art-hub that the culturely curious always want to come back to – myself included.
When have you been to Berlin for the first time?
Oh my godness, when I was ten, eleven. I grew up in Belgium in Antwerp, so not so far away. I think when I had came to Berlin for the first time, it was even more raw, not so built out, but that spirit still exists.
We hope to cultivate it…
You do! You don’t hope, you accomplish!

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Catrine Val, Feminist, Kehrer Verlag, Mode, Models, Feminismus
Interview, Photobook, Photography

«Mode spricht eine Sprache der Anpassung oder der Revolte»

Frau Val, Sie haben gerade Ihr neues Fotobuch FEMINIST veröffentlicht, in dem Sie sich mit den verschiedensten modischen Versatzstücken selber inszenieren. Was verbindet für Sie Mode und Feminismus?

Catrine Val: Nun, die Wahl des Buchtitels klingt zunächst an sich unsexy und spröde unparfümiert. Dabei dreht sich doch in der Mode alles um die Frau? Und den Mann – bei allem Feminismus sind Männer aus der Mode nicht wegzudenken. Per Definition lehnen Feministinnen die lüsterne Seite des Scheins ab, denn sie haben für andere Rechte gekämpft, als in die Falle des sinnlosen Selbstverliebtseins zu stolpern, aber die Zeichen der Mode sprechen entweder eine Sprache der Anpassung oder eine der Revolte. Die Großmütter der heutigen Feministinnen kannten das Korsett als Synonym der Unterdrückung. Heutzutage ist die Oberfläche des modisch inszenierten weiblichen Körpers die Projektionsfläche der gesellschaftlichen Verhältnisse. Ganz klar ist, dass alle feministischen Strömungen Konstrukte unserer Gesellschaft sind und aus der Notwendigkeit heraus geboren wurden. Als Frau, Mutter und Künstlerin suche ich nach keiner Pauschallösung. Vielmehr lerne ich diese Rollen täglich neu und erfülle sie mit Authentizität. Mir gefällt die Idee des dekonstruktiven Feminismus, der davon ausgeht, dass es so viele Identitäten wie Menschen gibt – starre Geschlechterbilder sollten schnellstmöglich über Bord geworfen werden.

Was macht Ihrer Meinung nach einen Körper vor der Kamera überhaupt zum Model?

Schließt man in diesem Moment die Augen, dann sehen doch die meisten von uns ein graziles, schlankes Mädchen, oder? Es sind harte Fakten die das Körperideal diktieren: 90 x 60 x 90. Models wissen das: 5 Kilo addiert die Kamera zum Realmaß hinzu. In der Verzweiflung wird deshalb der Körper zunehmend durch chirurgische Eingriffe auf das gültige Maß gebracht.
Wer über Schönheit und Mode nachdenkt, muss sich auch mit der Struktur und Funktionsweise der Medien auseinander setzen. Der Körper ist heute nicht mehr Maßstab, sondern er ist zum Medium geworden. Das ist ein grotesker Werteverfall, denn leider wird diese Maxime immer mehr von den Medien als von der Mode diktiert.

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