Barbara Klemm • Mauerfall 1989, Nimbus Verlag 2009 | Foto: Norbert Bayer
Archeological & Archival, Photobook, Photography

Aus den Archiven: Barbara Klemm

Über Barbara Klemm. Fotografien 1968 – 2013, eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin vom November 2013 bis März 2014

«Bin there, seen it, done it – and took the photo!» Jenes Grundkonzept der aktuellen Social Media-Plattformen wie z.B. Instagram, Facebook und Tumblr könnte auf den ersten Blick auch das kuratorische Konzept der Ausstellung Barbara Klemm. Fotografien 1968 – 2013 im Martin-Gropius-Bau in Berlin [1] sein. Denn staccatoartig hängen die Fotografien ähnlich wie in einem horizontal angeordneten Fotostream in streng linearen Reihen, gelegent­­lich auch mehrere davon im Raster übereinander, an den Wänden der Ausstellungsräume des obersten Stockwerks des Martin-Gropius-Baus. Alle Fotografien sind analog in schwarz-weiß abgezogen, alle in der gleichen Größe von ca. DIN A4 groß und alle in etwa gleich großen, hochformatigen Holzrahmen von ca. 50 cm x 70 cm präsentiert.

Barbara Klemm hat das Archiv ihrer Fotos, die sie über die letzten Jahrzehnte hinweg als festangestellte Redaktionsfotografin aufgenommen hat, für die Besucher durchforstet und unge­fähr 320 davon für diese Ausstellung ausgewählt. Von 1970 bis 2005 arbeitete sie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und belieferte schwerpunktmäßig die Ressorts Politik und Kultur mit Bildern. Etwa eine Million Bilder hat sie während dieser Zeit aufgenommen, die nun als Abzüge und Negative im Frankfurter Archiv der Zeitung lagern.

Barbara Klemm stand von Beginn ihrer Laufbahn an nicht daneben, sondern sie kam durch ihre Arbeit den kulturellen und politischen Zeitläuften Deutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz besonders nahe und war dabei. Wie es ihrem Auftraggeber entspricht, geschah dies vor allem bei offiziellen und repräsentativen Ereignissen, die sich jetzt im Rückblick sehr ausdrucksstark zu einer ansehnlichen Chronik Deutschlands über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammen stellen und von der Bundesregierung bewerben lassen. [2]

Continue reading

Standard
Elizabeth Price: „The Woolworths Choir of 1979" (2013), video still | © Elizabeth Price 2013
Performative, Sound & Vision, Spacial

Fire In The Choir

Elizabeth Price, in den 1980ern Teil der Band Talulah Gosh, zeigt ihre mit dem Turner Prize prämierte Videoarbeit in Berlin. Architektur und die mit ihr verknüpften Strukturen und Gesten sind nur einige der Themen, die darin verhandelt werden. Absolut gewinnbringend anzusehen!

Man kann natürlich einfach der Künstlerin Elizabeth Price Glauben schenken, wenn sie von ihrer Arbeitsweise behauptet, ihr Hauptinteresse gelte «der Frage nach der Eigenständigkeit von Bildern und Tönen und dem Wesen der Konventionen, durch die beides miteinander in Beziehung gebracht wird.» Aber man muss sich damit nicht unbedingt zufrieden geben, denn diese Platitüden können zum Glück das Wesen ihrer Arbeiten noch lange nicht erfassen oder gar erschöpfend behandeln – zumindest nicht das der aktuell im Showroom des n.b.k. in Berlin ausgestellten Videoarbeit The Woolworths Choir of 1979, mit der sie 2012 den Turner-Prize gewann. Schließlich verschränkt sie in dieser komplexen Arbeit nicht weniger als: Architekturfotografie, Pläne und 3D-Renderings von Chorräumen gotischer Kathedralen mit deren Aufbau und Dekor; verfremdete Aufnahmen der Girl-Band Shangri-Las aus den 1960ern, die mit Out in the Street auch den betörenden und an Choräle erinnernden Soundtrack zur Videoarbeit liefern, und Archivmaterial vom Brand einer Woolworth-Filiale in Manchester im Jahr 1979, bei der etliche Menschen ums Leben kamen.

Das mag sich als Konzept zunächst etwas bemüht und angestrengt oder gar anstrengend anhören, ist es aber absolut nicht. Denn Price weiß um die Kraft von Harmonien und um die Catchyness von Rythmisierungen, was deutlich auf die Produktion des Videos The Woolworths Choir of 1979 durchschlägt: Es ist visuell durch Splitscreens und animierte Texteinblendungen und akustisch durch Schnipsen und Klatschen temporeich strukturiert und akzentuiert. Price kann dabei auf ihr Wissen aus ihrer früheren Musikkarriere zurückgreifen, denn sie war in den 1980ern Gitarristin und Backgroundsängerin der Band Talulah Gosh aus Oxford. Die Band gilt als Hauptvertreterin des Twee-Pop und obwohl ihr komplettes Werk auf eine CD passt, war es äußerst einflussreich für der Independent-Musikszene nicht nur Großbritanniens, sondern auch für die spätere Riot Girl-Bewegung in den U.S.A. der 1990er. 1986 erschien ihre erste Single, und vielleicht ist das 30-jährige Jubiläum nun der Anlass für diese Ausstellung im Jahr 2016.

Continue reading

Standard
Julian Rosefeldt: „Manifesto“, 2014/2015 | © VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Performative, Sound & Vision

Manifesto, ergo sum.

Der Künstler Julian Rosefeldt inszeniert in seiner Ausstellung Manifesto die Schauspielerin Cate Blanchett – und sein Ego mit dazu. Das Konzept bleibt dabei zwar auf der Strecke, aber das macht nichts.

Stell dir vor, du bist Künstler und wie es der Zu­fall will, wirst du einer der erfolgreichsten Schau­spielerinnen deiner Zeit vorgestellt. Sie findet dich sympathisch, bietet dir ihre unent­geltliche Zu­sam­menarbeit an und fordert dich auf, dich mit einer Projektidee zu melden. Über zwei Stun­den Film, das ist doch etwa nicht zu viel von ihr verlangt. Oder? Und je größer du planst, desto mehr Co-Produzenten kannst du mit ins Boot holen, denn – hey – du arbeitest ja schließlich mit Cate Blanchett zusammen.

Ob dies die Gedankengänge des Künstlers Julian Rosefeldt waren, die in die Ausstellung Manifesto mündeten, weiß man nicht, aber zumindest werden die äußeren Um­stände dieses Mär­chens offiziell so vom Künstler und dem Museum Hamburger Bahn­hof ver­breitet. Dort ist das Ergebnis seiner Zusammenarbeit mit Cate Blanchett bis Juli zu sehen, bevor es auf weiteren Sta­tionen zu den anderen Geldgebern reist, deren vollständige Auf­listung den be­scheidenen Rahmen hier sprengen würde.

Continue reading

Standard