The Pirouttes, Paris, Pop, Chanson, Elektropop
Sound & Vision

On revient toujours à ses premières amours

The Pirouettes aus Paris sind das neue Traumpaar und Power Couple des französischen Pop-Chansons.

In Zeiten wie unseren, in denen Beziehungen immer brüchiger werden und keine Verbindung länger hält als ein paar Saisons – also wenn Raf Simons nicht mehr für Dior arbeiten will und Alber Elbaz plötzlich Lanvan verlässt – und du am liebsten in deiner Matratzengruft versinken und dich deinen Depressionen hingeben möchtest, bleibt dir immerhin noch diese eine Gewissheit: Ce n’est pas la mer à boire, denn der nächste große Coup des französichen Pops wird ganz bestimmt kommen und dich von deiner Traurigkeit befreien. Und tatsächlich kündigt er sich bereits wie ein erlösender Sonnenaufgang nach einer tiefen, dunklen Nacht an und personalisiert sich im Duo The Pirouettes aus Paris, France.

The Pirouettes sind Vickie Chérie und Leo Bear Creek, die sich in der Schule in Annecy kennen gelernt haben und beide angetreten sind, das neue Power Couple des französischen Elektropops zu werden. Ob sie in naher Zukunft in die sehr großen Fussstapfen von Elli & Jacno und von Catherine Ringer und Frédéric Chichin treten und die Geschichte der erfolgreichen Musikerpaare der Independentszene in Frankreich weiter schreiben werden? Im Song Dernier Métro nehmen sie jedenfalls mit einem Soundschnipsel aus Marcia Balla von Les Rita Mitsouko direkt Bezug auf diesen Teil der Vergangenheit. Darüber hinaus erinnert dessen Sound mit seinen hämmernden Keyboard-Klängen an den Synthie-Knaller Partenaire Particulier, womit als musikalische Referenzen eindeutig die ganz großen Klassiker der französischen Popszene der 80er Jahre indentifiziert wären, in die sich The Pirouettes vielleicht in naher Zukunft einreihen werden. Für die rechtsrheinischen frankophilen und frankophonen Hörer dürfte der Song Robocop wie ein Souvenir vom Album Musique Automatique von Stereo Total klingen oder mit seinen zeitweise rumpelnden Beats auch an Mein kleines Pony von Frederik Schikowski erinnern.

Beim Klang von En Mec On Or sieht man förmlich Models auf Laufstegen an sich vorbei schreiten – dieser Song könnte sowohl als Soundtrack zum nächsten Topmodel-Wettbewerb eingesetzt werden als auch bei den nächsten offiziellen Défilés. Sie selber bezeichnen ihre Musik als kindlich-naiv und träumen in Briller Comme Des Étoiles noch den unschuldigen Traum der Generation Y, und zwar davon, dem ständigen Karoussel von Wettbewerben und unbarmherziger competition entkommen zu können. Auf der Website der Band darf jedenfalls noch ein verspielter, gepixelter Computerspiel-Löwe als Mousezeiger den Inhalten hinterher jagen.

Das modische Styling der Band ist jenseits der Cover jedoch mehr von Understatement als von der Flamboyanz der 80er geprägt – kurz und gut: es ist mehr COS als NAF NAF. Es ist beruhigend zu sehen, dass Vicky und Leo somit nicht vollends auf der Retrowelle reiten und komplett in der Vintage-Schleife hängen geblieben sind, sondern fest in der Gegenwart verankert und mit ihrem flirrenden und flickerigen Sound am Puls der Zeit sind. Von der Region Rhône-Alpes aus sind sie im Milieu der Couture-Metropole angekommen, was spätestens mit einem Auftritt Leos im Fototagebuch Hedi Slimanes besiegelt wurde.

Nach einer EP und dem ersten Album L’Importance Des Autres soll das zweite Album von The Pirouettes folgen, aus dem Je nous vois vorab veröffentlicht wurde, und es bleibt zu hoffen, dass dies nicht le dernier cri der beiden bleiben wird und sie sich gegenseitig ihre Wichtigkeit erhalten und uns weiterhin ihre Relevanz für den französischen Elektropop-Chanson beweisen werden.


Bild: © The Pirouettes

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