Archeological & Archival, Performative, Sound & Vision

«There is never no alternative» | Documenta Diary #2

Kampfjets über der Akropolis und Athen

Kampfjets über der Akropolis und Athen

Heute: «Lernen von Athen» (documenta) meets «Hausaufgaben machen» (Wolfgang Schäuble) – Besuch auf der Akropolis auf spiegelglatt abgewetzten Steinen. Danach Schlendern auf den Schultern von Giganten auf dem Nordpfad den Hügel hinab und auf mäandernden Gedankenpfaden wandelnd – unterbrochen von einem 5er Geschwader Kampfjets, die über Athen eine Schleife zogen und mich zurück in die akute Aktualität holten.

Modifiziertes Poster der documenta 14 in Athen – 114 ist die Postleitzahl im Nordosten Athens. Die Übermalungen waren bereits zwei Tage später wieder entfernt.

Modifiziertes Poster der documenta 14 in Athen – 114 ist die Postleitzahl im Nordosten Athens. Die Übermalungen waren bereits zwei Tage später wieder entfernt.

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Archeological & Archival, Spacial

«Ein jeder will leben» | Documenta Diary #1

Amalia Vekri: «Fix Greek Summer 1 & 2», 2017 bei «DaDa Da Academy presents present». Die ehemalige Fix-Brauerei wurde zum Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst (EMST) umgebaut.

Amalia Vekri: «Fix Greek Summer 1 & 2», 2017 bei «DaDa Da Academy presents present». Die ehemalige Fix-Brauerei wurde zum Nationalmuseum für zeitgenössische Kunst (EMST) umgebaut.

Auf dem Weg zum Flughafen hebe ich Geld ab. Die Bank ist voller Ost-Rentner, die am ersten Tag des Monats die Bank stürmen. Ein erster Athen-Moment? Das erste Mal höre ich bewusst Griechisch im Flieger, als eine Ansage Rubbellose zum wohltätigen Zweck für die Kinderstiftung von Ryanair anpreist. «Become Millionaire and support Children!». Niemand kauft eines der Lose auf der 1806 Kilometer langen Flugstrecke. «Ein jeder will leben» lautet eine gängige Redensart in Griechenland.

Plakatwand in Athen mit dem Plakat der documenta 14

Plakatwand in Athen mit dem Plakat der documenta 14

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Archeological & Archival, Photography, Visual & Iconic

My view on art & culture in March 2017 in my private pictures & meandering words

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The entrance to the stage workshop of Volksbühne in Weissensee

The entrance to the stage workshop of Volksbühne in Weissensee

This is the entrance to the stage workshop of Volksbühne in Weissensee. ⠀
Volksbühne – so many memories are connected with it. ⠀
The fist time I was there was for the concert of the back then new band Tocotronic in August 1996. I didn’t live in Berlin and the internet as we know it now didn’t exist yet, so we just tried naively to get rest-tickets. Luckily it worked out and I didn’t have a reason to complain like the title of their back then just released album «Wir Kommen Um Uns Zu Beschweren» said it.
Many evenings to be remembered followed there. Also some sleep is envolved here, that comes with theatre productions lasting five hours or more. But over the years I got trained. How good the training was will be tested when I will hopefully get to see the latest staging of «Faust» by Frank Castorf which I was told goes at least for 8 if not for 10 hours even. ⠀
I will deeply miss the challenges the Volkbühne put me in – if the rumours of the announced changes will really become true. ⠀
In January I called them, because I had to cancel a ticket. The music they played while I was on hold was the word «Danke», sung by the choir of Volksbühne in a version of a German Christian hymn written by Martin Gotthard Schneider and one of the first songs in the genre later called new spiritual song. With the lines missing the message it seems to say: «Thanks for nothing!» – and rightly so, because we have to say thank you! ⠀
DANKE, VOLKSBÜHNE! • ⠀


Claudia Sarnthein's presentation «Von Alters her/ From the Old» at Künstlerhaus Bethanien

Claudia Sarnthein’s presentation «Von Alters her/ From the Old» at Künstlerhaus Bethanien

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Archeological & Archival, Photography, Visual & Iconic

My view on art & culture in February 2017 in my private pictures & meandering words

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Hanne Lippard's exhibition «Flesh» at KW Berlin

Hanne Lippard’s exhibition «Flesh» at KW Berlin

Finally I made it into the exhibition of Norwegian artist Hanne Lippard at KW Berlin called «Flesh», which was run over at the opening weekend and which is set in an attic style space reachable though a spiral staircase located in the center hall. In this environment paved with flesh-coloured carpet banal phrases and self help techniques are bent together by Hanne Lippard to form an acoustic artwork which fills the empty environment with an extra low ceiling in which it is set. Putting words, homonyms and homophones on top of each other she piles up a wall of sound to break through for the visitor. We become the listener to a surrealistic piece which preaches peace and peaks in appeasement, while we stare out of the windows to gaze over the roofs into the lives of the others. «If not now then when?» •


«alien matter», an exhibition as part of the 30th Transmediale-Festival in Berlin – here I am inside the artwork «Video Palace #44 – The Hidden Universe, 2017» by Joep van Liefland | Photo: Unknown helping hand @ HKW – Thank you! ❤

«alien matter», an exhibition as part of the 30th Transmediale-Festival in Berlin – here I am inside the artwork «Video Palace #44 – The Hidden Universe, 2017» by Joep van Liefland | Photo: Unknown helping hand @ HKW – Thank you! ❤

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„Discreet“ von Travis Mathews | Foto: Deias & Ideias Produções Artisticas
Sound & Vision, Visual & Iconic

Reise an die Ränder des Geschehens

In Travis Mathews’ Film «Discreet» ziehen Traumata, die von sexueller Gewalt und Alt-Right-Einstellungen herrühren, weite Kreise bei den Opfern.

Fett brutzelt der Bacon zu Beginn von Travis Mathews neuem Film «Discreet» in der Pfanne. Im Lauf des Films wird sich herausstellen, dass der umherziehende Alex (gespielt von Jonny Mars) ihn für seinen früheren Vergewaltiger John (Bob Swaffer), der jetzt Pflegefall ist, zubereitet. Viel ist passiert seit seiner Jugendzeit, man erfährt es aus den disparaten Schnipseln, die der Regisseur uns in klar strukturierten Bildern liefert.

Alex, der in seinem Van umher zieht und die von der Moderne geprägte amerikanische Landschaft mit ihren Autobahnen und Brücken in glatten Bildern abfilmt, erfährt erst Jahrzehnte später von seiner alkoholabhängigen Mutter, dass sein Vergewaltiger noch lebt. Sie hatte ihm erzählt, dieser sei tot, in der Hoffnung, er könne seine Missbrauchserfahrung besser hinter sich lassen. Doch leider ist dies nicht derart einfach und Alex leidet noch immer an posttraumatischen Belastungsstörungen. Er findet in den Videos von Mandy (Atsuko Okatsuka) und ihres Unternehmens «Gentle Rythms» Zuspruch, in denen sie mit ihrer zarten, über absurde Geräusche gelegten Stimme positive Banalitäten wispert, wie z.B.: «It’s o.k., it’s gonna be o.k.».

Aufgrund seines neuen Kenntnisstands möchte er jedoch endlich alles komplett verarbeiten und fährt zu seinem Vergewaltiger, einem mittlerweile wehrlosem Greis, gibt sich dem Betreuer gegenüber als Verwandter aus und zieht bei ihm ein. Er nimmt seine Heilung selber in die Hand und konfrontiert sich mit dem Ort des Geschehens und damit seiner eigenen Geschichte. Durch die fehlende professionelle Hilfestellung und Rachetaktiken wird er nun selbst mehrfach zum Täter.

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Jens Lekman | Foto: Ellika Henrikson
Linguistic, Sound & Vision

Don’t call it a comeback!

Der Junge mit Liedern so sanft wie Gänseblümchen unter dem Arm: Jens Lekman

Jens Lekman – er war bei mir fast schon aus dem Gedächtnis verschwunden und unter «Smells like 30-something-spirit» abgelegt – hat soeben sein neues Album «Life Will See You Now» veröffentlicht. Der scheinbar alterslose Schwede aus Göteborg, der zwischenzeitlich nach Australien ausgewandert war, beschenkte uns in den späten Nuller-Jahren mit zarten Songs – v.a. seinem Album «Night Falls Over Kortedala» –, bei denen es sich besonders lohnte, auf die Texte zu hören und mit denen er die Ohren fest versiegelte und die Herzen öffnete.

Diesmal hat er sich nicht auf seine Qualitäten als Sänger zu minimalistischen Gitarrensound beschränkt, sondern seine Songs mit elektronischen Sounds unterlegt. Kommt beim ersten Hören erstmal neu und vielleicht auch ein bisschen befremdlich vor, aber es klingt wunderbar – warum auch nicht? Oder anders gefragt: Warum eigentlich nicht schon viel früher? Und so aufdringlich elektronisch ist es sowieso nicht durchweg produziert; es startet knallig und rollt sanft aus. Allzuviel hat sich also zum Glück nicht verändert – manchmal sind Konstanten doch beruhigend. Besonders schön: Die Saxophone in «How We Met, The Long Version». Yeah! «Wedding in Finistere» erinnert an den Sound von Paul Simons’ «Graceland». Bingo!

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Werewolf Ashley McKenzie Grassfire Films FB
Sound & Vision, Visual & Iconic

Un­an­ge­kündig­te Züge

Der Film «Werewolf» von der kanadischen Regisseurin Ashley McKenzie skizziert achtsam das Unangekündigte und zeichnet die schleichenden Wandlungen der Protagonisten nach.

Wer mit einem Film über Ex-Junkies nach Berlin kommt, beweist Humor oder Abgebrühtheit – lebt diese Stadt doch vom Mythos des High-Seins und Dabei-Seins und ist verliebt in die zahlreichen Filme darüber. Nur hier bekommt man wie selbstverständlich das paradoxe Unterfangen hin, einen Film (in dem es ebenfalls um Drogenabhängige geht) im Wettbewerb außer Konkurrenz antreten zu lassen.

Die 1984 geborene kanadische Filmemacherin Ashley McKenzie ließ sich jedoch zum Glück davon weder einschüchtern noch beirren und stellte bei der Berlinale in der Reihe «Forum» ihren ersten Langfilm «Werewolf» vor, der bereits den Grand Prix Focus QC/Canada beim Festival du nouveau cinema in Montréal gewonnen hat und unter die zehn besten kanadischen Beiträge beim Toronto International Film Festival kam. Bei ihr geht es jedoch nicht darum, Drogenerfahrungen und Rausch zu verpoppen oder zu verherrlichen, denn bei ihr sind die beiden Protagonisten Nessa (gespielt von Bhreagh MacNeil) und Blaise (Andrew Gillis) bereits in ein Methadonprogramm eingestiegen. Sie leben in einer ländlichen Gegend im Osten Kanadas in einem Wohnwagen im Wald und schlagen sich damit durch, die Vorgärten von Hausbesitzern zu mähen; das dafür nötige Benzin klauen sie aus deren Autos. Somit dreht sich ein Teil des alltäglichen Lebens und des Films um den lebenswichtigen Rasenmäher, der am Laufen gehalten werden muss, und die ermüdenden Anbiederungsversuche an die Einwohner, damit das Überleben gesichert ist. «Sie würden nicht einen Tag in meinem Leben aushalten!» schreit denn auch Blaise einmal bei der Methadonvergabe einen der Apotheker an.

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Heike-Melba Fendel: «Zehn Tage im Februar», Blumenbar Verlag
Linguistic

Beim nächsten Mal wird alles anders

Heike-Melba Fendel lässt die Protagonistin ihres Romans «Zehn Tage im Februar» in die Welt des Films abgleiten und über die Liebe schwadronieren. Was für ein Irrweg!

Eine Frau, eine Straße, ein Leben, eine Welt. Diese Zutaten können ausreichen für einen Roman, auch für einen Liebesroman. Heike-Melba Fendel wandelt diese Komponenten ab in: Eine Filmjournalistin, der Stadtteil Tempelhof in Berlin, eine erschlaffte Beziehung, die Welt der Filme und der Filmindustrie. Dies reicht für ihren Roman «Zehn Tage im Februar», der gerade im Blumenbar Verlag erschienen ist. Irgendwie halbwegs zumindest.

Besagte Frau wird von ihrem Mann, der das ganze Buch über lediglich «der Mann» bleibt, verlassen. Um genau zu sein: Vorübergehend für angekündigte zehn Tage verlassen, denn er möchte für diesen Zeitraum ausziehen, weil die Frau Filmjournalistin und während der Berlinale so gut wie nie zuhause, sondern dienstlich unterwegs ist. Das stört den Mann und er quartiert sich während dieser Zeit aus und ermöglicht der Frau ihre Freiräume. Eigentlich zuvorkommend von ihm und praktisch für sie, sollte man meinen. Aber weit gefehlt.

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Archeological & Archival, Photography, Visual & Iconic

My view on art & culture in Januar 2017 through my private pictures

Galerie

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Barbara Klemm • Mauerfall 1989, Nimbus Verlag 2009 | Foto: Norbert Bayer
Archeological & Archival, Photobook, Photography

Aus den Archiven: Barbara Klemm

Über Barbara Klemm. Fotografien 1968 – 2013, eine Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin vom November 2013 bis März 2014

«Bin there, seen it, done it – and took the photo!» Jenes Grundkonzept der aktuellen Social Media-Plattformen wie z.B. Instagram, Facebook und Tumblr könnte auf den ersten Blick auch das kuratorische Konzept der Ausstellung Barbara Klemm. Fotografien 1968 – 2013 im Martin-Gropius-Bau in Berlin [1] sein. Denn staccatoartig hängen die Fotografien ähnlich wie in einem horizontal angeordneten Fotostream in streng linearen Reihen, gelegent­­lich auch mehrere davon im Raster übereinander, an den Wänden der Ausstellungsräume des obersten Stockwerks des Martin-Gropius-Baus. Alle Fotografien sind analog in schwarz-weiß abgezogen, alle in der gleichen Größe von ca. DIN A4 groß und alle in etwa gleich großen, hochformatigen Holzrahmen von ca. 50 cm x 70 cm präsentiert.

Barbara Klemm hat das Archiv ihrer Fotos, die sie über die letzten Jahrzehnte hinweg als festangestellte Redaktionsfotografin aufgenommen hat, für die Besucher durchforstet und unge­fähr 320 davon für diese Ausstellung ausgewählt. Von 1970 bis 2005 arbeitete sie für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und belieferte schwerpunktmäßig die Ressorts Politik und Kultur mit Bildern. Etwa eine Million Bilder hat sie während dieser Zeit aufgenommen, die nun als Abzüge und Negative im Frankfurter Archiv der Zeitung lagern.

Barbara Klemm stand von Beginn ihrer Laufbahn an nicht daneben, sondern sie kam durch ihre Arbeit den kulturellen und politischen Zeitläuften Deutschlands in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ganz besonders nahe und war dabei. Wie es ihrem Auftraggeber entspricht, geschah dies vor allem bei offiziellen und repräsentativen Ereignissen, die sich jetzt im Rückblick sehr ausdrucksstark zu einer ansehnlichen Chronik Deutschlands über die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts zusammen stellen und von der Bundesregierung bewerben lassen. [2]

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