Objekte der Verantwortung: Gesellschaft­liches Engagement in der Formgebung von Alltags­gegen­ständen

Objects of Responsibility:
Social Commitment in the Shaping of Everyday Objects

Gestaltung und Design spalten sich in diverse Tätigkeitsformen und -felder auf und sind sowohl innerhalb gesellschaftlicher als auch wirtschaftlicher Kontexte aktiv, indem sie auf formgebende und strukturierende Weise auf diese Bereiche einwirken. Die spezifischen Einflussbereiche der unterschiedlichen Designtechniken verlagern sich seit deren Entstehung ständig und befinden sich deshalb in einer permanent anhaltenden Umstrukturierung. Design als Faktor der Produktentwicklung hatte seinen Ursprung im ausgehenden 19. Jahrhundert im Kunsthandwerk und wandelte sich im Zuge der voranschreitenden Industrialisierung zum Produktdesign als eigenständiger Kategorie mit eigenen Berufsbildern, Ausbildungsoptionen und Theoriebildungen.

Ein Blick auf die dem Design von Alltagsobjekten zugrunde liegende ursprüngliche materielle Verfasstheit dieser Objekte wird zu Beginn meiner Untersuchungen zu klären versuchen, unter welchen Prämissen und nach welchen Kriterien in Alltagsobjekten generell Form und Inhalt zu einer Einheit fusionieren können.

Die Diskussion, auf welche Weise – und ob überhaupt – Materie in ihrer Erscheinungsform in konkreten Objekten mit Ideellem, also etwa auch ethischen Grundsätzen, eine Ver-bindung eingehen kann, wird schon sehr lange geführt. Man kann dafür mindestens bis zu Aristoteles und dessen Konzeptionen der Φὐσις (phýsis) und τέχνη (téchne) zurückgehen, die sich ja auch in konkreten Objekten verdinglichen und von diesen repräsentiert werden.

Wenn diese beiden Konzepte in dinglichen Objekten aufeinandertreffen, ist dies immer auch eine Frage von Form und Gestaltung – oder anders gesagt: von Design. In welcher ästhetischen Form prägt sich dieses Aufeinandertreffen aus, sowohl in der Natur, wo es maßgeblich durch biologische Kräfte beeinflusst wird, als auch in kulturellen Artefakten und, darüber hinaus, in deren Mischformen? Eben diese verschiedenen Qualitäten von Aus-formungen des Materiellen und deren Wechselwirkungen mit gesellschaftlichen Zusammenhängen sind es, die im Folgenden näher betrachtet werden sollen. Sie werden untersucht hinsichtlich ihres Potenzials, einen sozialen gesellschaftlichen Kontext zu strukturieren, in diesen einzugreifen und umgekehrt auch selbst von ihm geformt zu werden.


Die Bedeutung und der Einfluss der Objektgestaltung werden spätestens seit der Gründung der Werkbund-Bewegung im Jahr 1907 u.a. auch unter dem Aspekt der Funktion von Alltagsprodukten und deren Einfluss auf das Äußere dieser Produkte diskutiert und bewertet. Dabei können Funktion und Design im Rahmen der Produktion durchaus auch im Widerstreit miteinander stehen, wenn z.B. vom Hersteller nur das Aussehen verändert wird, um die gleichen Objekte, deren Funktion sich überhaupt nicht geändert hat, nochmals zu verkaufen.

weiter auf https://readymag.com/ norbertbayer/ alltagsobjekte/
(nur als Desktop-Version verfügbar)