Izïa Higelin als Delphine und Cécile de France als Carole in „La Belle Saison – Eine Sommerliebe“ von Catherine Corsini | Foto: Alamode Film
Sound & Vision

The Summer of Love auf französisch? «La Belle Saison» d’amour!

Der Film La Belle Saison – Eine Sommerliebe von Catherine Corsini begleitet Izïa Higelin als Delphine und Cécile de France als Carole auf den Wegen ihrer Liebesbeziehung durch die politisch engagierten frühen 1970er Jahre in Frankreich.

Das trockene Land des Südens ermöglicht einen schnellen und federnden Schritt, der nach vorne strebt, während der schlammige Boden des Nordens durch eine langsamere und haftende Gangart die Menschen eher an sich bindet. So erklärt es im Film La Belle Saison – Eine Sommerliebe von Catherine Corsini, der 1971 in Frankreich spielt, die 23-jährige Delphine ihrer älteren Freundin und zukünftigen Geliebten Carole. Diese Ausführung umreißt gleichzeitig kurz und prägnant auch die beiden Charaktere und ihre daraus folgenden Handlungsmuster.

Delphine (gespielt von Izïa Higelin) ist im Norden Frankreichs auf einem Bauernhof aufgewachsen, also unter traditionell geprägten Geschlechtermodellen, die Frauen wenig eigenen Entscheidungsspielraum einräumten. Andererseits wurden sie durchaus als gleichberechtigt eingestuft, wenn es um die Einbindung in die Verrichtung der täglichen Arbeiten in der Landwirtschaft ging. Dies führte aber nicht dazu, dass sie aufgrund ihrer Leistungen für sich gleichzeitig auch daraus abgeleitete Rechte, wie eigenes Gehalt oder Krankenversicherung, eingefordert hätten.

Cécile de France als Carole und Izïa Higelin als Delphine in „La Belle Saison – Eine Sommerliebe“ von Catherine Corsini | Foto: Alamode Film

Cécile de France als Carole und Izïa Higelin als Delphine in „La Belle Saison – Eine Sommerliebe“ von Catherine Corsini | Foto: Alamode Film

Diese Ziele hingegen verfolgt Carole (gespielt von Cécile de France), die als Lehrerin in Paris lebt und zusammen mit weiteren Unterstützerinnen mit Kampagnen für die Gleichberechtigung kämpft. Nachdem Delphine nach Paris gegangen ist, trifft sie bei einer jener Aktionen auf Carole. Dieser legere und durchaus lustvolle Protest besteht darin, durch die Straßen zu rennen und Männer zu begrapschen, um sie diejenigen Erniedrigungen, denen Frauen ausgesetzt sind, am eigenen Leib spüren zu lassen. Einer der davon Betroffenen setzt sich zwar Carole gegenüber zur Wehr, aber Delphine kann sie aus dieser Situation befreien und die Frauen können sich in einen Bus flüchten. Delphine schließt sich daraufhin der Bewegung an und unterstützt die Aktivistinnen bei deren Forderungen.

Delphine lebte bereits auf dem Land ihre Homosexualität – unter den schwierigen gesellschaftlichen Bedingungen und da Homosexualität in den 1970er noch unter Strafe stand, verständlicherweise nicht offen. Aber sie hatte trotz allem mit großen Anstrengungen einige Beziehungen, von denen die letzte mit der Heirat der Freundin endete. Deswegen sah Delphine sich auch gezwungen, ihre Heimat für Paris zu verlassen, wo sie sich in Carole verliebt. Carole ist verheiratet und hat bis dahin noch keine lesbischen Erfahrungen gesammelt; dennoch werden die beiden nach anfänglichen Schwierigkeiten dennoch ein Paar.

Nachdem Delphines Vater einen Schlaganfall erlitten hat, geht Delphine zurück, um ihrer Mutter den Hof alleine weiter zu führen und somit die wirtschaftliche Grundlage ihrer Familie zu erhalten. Nach der Trennung von ihrem Mann kommt Carole ebenfalls dorthin und wirbelt einigen Staub auf. Durch ihre freie und offene Art wirkt sie überlegen, aber sie wird leider teilweise auch auf arrogante Weise bevormundend gegenüber der strengen ländlichen Lebensweise.

Delphine und Carole schaffen es trotz der schwierigen Umstände ihre Beziehung zu leben, was der Film in lockeren und teils detailierten Liebesszenen einfängt, die in der sommerlichen Landschaft Nordfrankreichs in Szene gesetzt die volle Kraft der Liebe ihrer Protagonistinnen entfalten. Jedoch befinden sich beide in ständigen Zwängen wieder, die Regisseurin Corsini und ihre herausragenden Darstellerinnen in eindrücklicher Weise transportieren: Delphine steht unter Druck durch ihren Wunsch, mit Carole zusammen zu sein und trotzdem nicht mit den Traditionen ihrer Familie zu brechen zu müssen. Carole weiß zwar, dass auf dem Land mit seinen strengen Regeln kein Platz für sie sein kann, möchte aber dennoch die Beziehung zu Delphine nicht aufgeben.

Über sämtliche Widerstände hinweg sind beide Wegweiser füreinander geworden: Delphine führte Carole in ihre Beziehung und somit in eine lesbische Lebensweise ein und Carole zeigte Delphine die Alternativlosigkeit einer durch offenes Selbstbewusstsein geprägten und unabhängigen Lebensweise auf. Nur leider kann der Wegweiser den Weg niemals mitgehen, sondern zeigt ihn lediglich an – denn den Weg muss jede*r für sich alleine gehen, ob nun langsam und beständig oder eben schnell und federnd.


Izïa Higelin als Delphine und Cécile de France als Carole in „La Belle Saison – Eine Sommerliebe“ von Catherine Corsini | Fotos: Alamode Film

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